Heute
einen Krieg
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Buß- und Bettag 2018
21.11.2018

Gebete

WO MILCH & HONIG FLIESSEN

Das Stärkste, was eine starke Hand tun kann,
ist, sich zu reichen
über jede Reichweite hinaus
zu dem, was menschlich am nächsten liegt:
Frieden.

Eine andere Hand suchen,
um sie werben, sie ergreifen.
Die andere Hand,
stärker oder schwächer,
verletzt oder gepflegt,
offen oder im eisernen Handschuh.
Gereichte Hände machen beide reicher.

Sie schließen einen Pakt.
Packen den Krieg weg.
Packen zu.
Greifen es an.
Lassen den Frieden um sich greifen.

Denn Frieden ist nur, wenn er um sich greift,
immer weiter geht,
Versöhnung bringt auch für Töchter,
den Wolf zum Lamm,
die Klaue zur Pfote.

Nur noch Pflugschare werden gemacht
und Taschenmesser, keine Schwerter mehr.
„Drohne“ ist wieder der Name für die Arbeiterbienen,
die ihre Waben sauber halten,
damit der Honig fließt im Land zusammen mit der Milch
- für alle auf der ganzen schönen blauen Kugel Erde.

Helmut Wöllenstein

HÄNG DEIN HERZ NICHT AN DEN NAGEL

Häng dein Herz nicht an den Nagel,
grad wenn es wie zerrissen scheint,
dass dir deine ganze Welt
nicht in Freund und Feind zerfällt.

Wirst du erst bitter, heilt so schnell nichts mehr.
Häng dein Herz nicht an den Nagel,
es hat noch lang nicht ausgedient.
Es soll wieder höher schlagen,
soll barmherzig offenstehen,
es lebt dir auf, in dem, was du versöhnst.

Noch keiner hat dich so verletzt,
hat dir so heftig zugesetzt,
hat dich mit warmen Worten kaltgestellt.
Er hat ihn gnadenlos entdeckt,
den wunden Punkt, den blinden Fleck,
hat dich getroffen, wo du schwach und schutzlos bist.

So hast du dich noch nicht erlebt,
du kochst vor Wut, die Erde bebt,
schlägst du jetzt alles kurz und klein,
zahlst du ‘s mit gleicher Münze heim?

So enttäuscht warst du noch nie,
dein Lebensmut geht in die Knie,
das hättest du ihm niemals zugetraut!
Er lässt dich hängen, dich im Stich
und denkt allein gepflegt an sich,
tritt mit Füßen, was Euch einmal wichtig war.

War das denn alles gar nichts wert?
Es wird jetzt in den Dreck gezerrt.
Kann man denn keinem Menschen trauen?
Wie soll es gehen, wie das verdauen?

Wer sieht noch, was man damals sah:
ein Herz das festgenagelt war,
ein Mensch, der offen blieb im Schmerz der Welt!
War selbst verraten und verkauft,
im Menschenhass, im Leid getauft,
und hielt doch an den Feinden wie an Freunden fest.

Er hat vergeben und versöhnt, doch unsereins ist
Kampf gewöhnt;
er hat gesegnet und gesiegt, uns aus der Angst
herausgeliebt.

Dr. Thorsten Waap

WIE FRIEDEN ANFÄNGT

Kriegsende
Endlich aufatmen.
Es gibt keinen Gegner mehr.
Scherben zusammenkehren.
Aufbauen.
Anders heimkehren.
Den schnellen Lösungen misstrauen.
Auf Kleines achten.
Kein Tafelsilber um hartes Brot verscherbeln.
Sirenen üben nur. Kinder spielen nur.
Kalten Rauch und grauen Staub aus zerschlissenen Mänteln schütteln.
Schulen beheizen. Und Theater. Das eigene Herz.
Fenster weit öffnen.
Geduldig sein.
Aufatmen.
Ahnen, wie Frieden anfängt.

Dr. Friederike Erichsen-Wendt

EIN ZEICHEN DER FRIEDLICHEN ABSICHT

Die Hand reichen
als Zeichen für friedliche Absicht
war einmal die rechte Hand
die sonst das Schwert führte
und so zeigte
Schau Ich bin unbewaffnet
Wenn wir heute die Hand reichen
die rechte immer noch
was legen wir dann aus der Hand
um Frieden zu zeigen

Smartphone oder Schlagring
Lenkrad oder Klappmesser
Heute einen Krieg beenden
heißt erkennen
wo ich Kriege schüre
verursache
weitertreibe
geschehen lasse
Komm
Gib mir deine Hand
die rechte
Ich geb dir meine

Christoph Breit

WAS WILLST DU VON MIR? DEINE NÄHE!

Du kannst mir das Wasser nicht reichen
und vergleichen
kannst du dich längst nicht mit mir.
Und für den nimmt es bösen Schaden,
der dich eingeladen
auf dem Platz neben mir.
Ich weiß schon genau deinen Text.
Drum bleib, wo der Pfeffer wächst
und fernab nur von mir.
Hör auf mich zu nerven, geh fort
ich ertrage kein einziges Wort
gesprochen zu mir.
Mensch, du kommst mir gerade noch recht:
Sag mal, höre ich schlecht?
Was willst du von mir?

Wenn es so einfach wäre
Schlag ein, nicht aus
und Friede ist.
Ja dann
wäre das Leben ein Kinderspiel
für das man keine Hand-Reichung
bräuchte.
Wenn es so einfach wäre
ja dann
wäre Friede
ohne Ende.

Imke Leipold

EIN GUT

Heute? Jetzt? Gleich?
Aber nicht mit dem da
und mit mir schon gar nicht.
Wenn er nicht zuerst,
dann ich auch nicht.
Keinen Schritt.
Ich stampfe nicht mit dem Fuß,
ich habe nur eine klare Haltung.
Friedenspfeife?
Selber. Ich bin Nichtraucher.
Hand reichen?
Jetzt reicht’s aber.
Wenn ich dem den kleinen Finger reiche ...

Und da nimmt er meine ganze Hand und schüttelt sie.
Er schaut mich an, lächelt und spricht:
„Wir sind uns wieder gut, oder?“
„Ja“, sage ich.
„Gut.“

Lars Hillebold

SCHLAG EIN

Nimm die Faust
Nimm die Faust und schlag
Nimm die Faust und schlag ein
Nimm die Faust und schlag ein in
die ausgestreckte Hand:
Es ist Frieden!

Roland Kupski